Deutschland ist reich. Sehr reich sogar. Das Geldvermögen privater Haushalte liegt bei fast 10 Billionen Euro. Dazu kommen Immobilienwerte von mehr als 20 Billionen Euro. Rein rechnerisch besitzt damit jeder Mensch in Deutschland ein beträchtliches Vermögen.
Und trotzdem erleben wir täglich, dass Geld angeblich knapp ist: Schwimmbäder schließen, Brücken verfallen, Schulen werden nicht saniert und öffentliche Angebote gestrichen. Wie passt das zusammen?
Die Frage „Wozu reich?“ führt deshalb weit über klassische Geldanlage hinaus. Sie betrifft nicht nur Rendite, Altersvorsorge und Vermögensaufbau. Sie betrifft auch die Frage, was Geld leisten soll – für unser eigenes Leben, für unsere Familien und für die Gesellschaft, in der wir leben.
Deutschland besitzt ein enormes Vermögen

Das ist Stand drittes Quartal 2026. Übrigens: Jede Sekunde (!) kommen 16.365€ dazu.
Jede:r Deutsche – vom Kind bis zur Oma – hat also rechnerisch 43.000€ auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto oder 32.000€ in Lebens- und Rentenversicherung. Hinzu kommt das Immobilienvermögen von gut 20 Billionen (!) Euro. Unberücksichtigt bleiben Vermögenswerte, die nicht in Grundbüchern stehen, an Börsen gehandelt werden, bilanziert sind oder bei Banken verwahrt werden. Das sind z.B. immaterielle Werte oder Patente oder privat gehaltene Kunstgegenstände.
Allein mit dem Geld auf deutschen Konten könnten wir also 7 Sondervermögen à 500 Milliarden Euro bezahlen.
Gleichzeitig lesen, hören, sehen und fühlen wir überall im öffentlichen Raum, das Geld vermeintlich knapp ist und wir sparen sollen: der Bus fährt seltener, das Schwimmbad macht zu, die Schulen stinken, Brücken stürzen ein, in Altenheimen sterben die Leute, weil es keine Klimaanlagen gibt, Schlaglöcherslalom beim Weg zur Arbeit, monatelanges Warten auf Facharzttermine, das Theater macht früher zu oder gar nicht erst auf usw.
Wie passt das bitte zusammen?
Wir sind wie Dagobert, der in seinem Geldspeicher badet, aber nichts mit seinem Reichtum anzufangen weiß.
- Wozu haben Generationen vor uns, diesen Reichtum erwirtschaftet?
- Wozu sollen wir noch mehr und härter arbeiten, um damit noch ein bisschen mehr Wirtschaftswachstum zu generieren?
Wir sitzen auf einem Hort, den selbst Smaug vor Neid hätte erblassen lassen und gleichzeitig erzählen wir uns, dass wir nur noch weiter Ausgaben reduzieren sollten, damit…ja was eigentlich passiert?
Deutschland nimmt knapp 1.000 Milliarden Steuern im Jahr ein. Das ist gerade mal ein Zehntel dieses Schatzes.
Dabei ist es ja nicht so, dass wir nicht wüssten, wo wir es ausgeben sollten. Neben den oben genannten Punkten, die wir tagtäglich spüren, kommen ja noch Aufgaben wie die Energiewende, die Sicherheit Europas oder der Klimawandel hinzu. Für all diese Aufgaben brauchen wir Abermilliarden Euro. Aber wir glauben, sie durch Einsparungen bei den untersten 10%, zu finden.
Das ist die gesellschaftliche/kollektive/makroökonomische Perspektive.
Die Frage nach „Wozu reich?“ hat aber auch eine individuelle/mikroökonomische Perspektive.
In unseren Beratungen geht es auch um den langfristigen Vermögensaufbau, um den Lebensstandard zu einem späteren Zeitpunkt zu sichern und/oder sich Wünsche/Träume später erfüllen zu können.
Da sprechen wir über Absicherung existenzieller Risiken, Notgroschen, Sparpläne, Rentenversicherungen usw. Meist sind die Möglichkeiten kleiner als die Wünsche oder Erwartungen. das heißt, wir bzw. die Mandant:innen müssen vermutlich Abstriche machen. Das ist nicht dramatisch. Keiner von ihnen nagt am Hungertuch. Schön ist es oft trotzdem nicht. Beim langfristigen Vermögensaufbau geht es dann immer auch natürlich um Rendite. Dabei gilt: Je höher, desto besser (bis zu einer Grenze, ab der die Rendite mit einem zu hohen Risiko erkauft wird). Das ist legitim und richtig. Wenn du dein Geld aufs Tagesgeldkonto packst, wird es aufgrund der Inflation weniger. Du betreibst also keinen Vermögensaufbau, sondern –abbau.
Wer also einen bescheidenen oder von mir aus auch etwas gehoberen Lebensstil erreichen oder erhalten will, braucht eine Rendite jenseits der Inflation.
Was ich mich aber zunehmend Frage:
- Was ist eigentlich mit den 10-20%, die diesen Lebensstil längst haben?
- Brauche ich echt noch 8% Rendite, wenn ich schon mehrere Millionen Vermögen habe?
- Und wenn ja, wozu?
- Muss ich mit zig Immobilien, die ich mein Eigenen nenne, noch überlegen, wie ich diese steueroptimiere, damit ich noch mehr Cash-Flow erhalte?
- Wie wäre es, wenn mit steigendem Vermögen, die Rendite sinkt?
Wenn mein Portfolio 10 Millionen beträgt, kann ich bei 8% 800.000€ jedes Jahr rausnehmen, ohne dass es weniger wird. Das ist ca. das 15-fache des Durchschnittseinkommens eines vollzeitbeschäftigen Arbeitnehmers. Wenn ich nur noch 1% Rendite hätte, könnte ich immer noch 100.000€ rausnehmen, ohne dass der Schatz kleiner wird. Das ist immer noch was das Doppelte vom Durchschnittseinkommens eines vollzeitbeschäftigen Arbeitnehmers.
Die persönliche Finanzplanung beginnt mit dem Zweck
Statt also mein Vermögen oberhalb eines vernünftigen Lebensstandard noch weiter zu optimieren und vermehren, könnte ich mir doch überlegen, welche Rendite ich stattdessen erzielen könnte.
So könnte ich, wenn ich hauptsächlich in Immobilien unterwegs bin, doch bezahlbaren Wohnraum für Studierende, Familien oder einkommensschwache Haushalte schaffen, statt Luxusbuden hinbauen, die sich im Prinzip kein normaler Mensch mehr leisten kann. Oder ich könnte eine Pflegeeinrichtung entwickeln, die keine 8% Rendite abwerfen auf Kosten der Bewohner:innen und Pfleger:innen. Stattdessen schaffe ich ein Domizil für pflegebedürftigen Menschen, in den sie gut und gerne ihren Lebensabend verbringen wollen.
Oder ich könnte Geld stiften, ohne dass ich erwarte, dass es auch noch mehr wird oder nur zur eigenen Steueroptimierung dient wie z.B. bei Benko.
Oder ich könnte Kapital jungen Unternehmen geben. Aber nicht wie Business Angels, die ihr Risiko mit absurden Renditen kompensiert wissen wollen.
Oder ich bringe die Energiewende in meiner Kommune voran, in dem ich ein Solarpark oder eine Windanlage baue, die grünen und günstigen Strom bereitstellt.
Oder ich übernehme die Finanzierung eines Stadtteiltreffs.
Oder ich bezahle das Freibad für eine Saison, so dass Menschen, die sich keinen Urlaub leisten können, auch eine Runde planschen können.
Oder ich unterstütze Landwirte bei der Umstellung auf nachhaltigen bodenschonenden Ackerbau, ohne dass diese sich dafür verschulden und wiederum Renditen erwirtschaften müssen.
Reichtum zeigt sich nicht nur in Zahlen
Früher haben Reiche und Herrschende (meist die gleichen Personen) ihren absurden Reichtum durch Prachtbauten, Feste oder spleenige Sammlungen zum Ausdruck gebracht. Im Prinzip zehren wir heute noch davon in Form von Museen und Touristenattraktionen. Wir haben diesen früheren Reichtum also mehr oder weniger vergesellschaftet. So wurden diese Personen tatsächlich unsterblich. Und am Ende ist das ganze Horten von Geld und Vermögen doch nichts anderes, als der Versuch, der Unsterblichkeit näher zukommen.
Doch das gelingt eben nicht durch noch größeren Zahlen auf irgendwelchen Zetteln, sondern durch die Bereitstellung öffentlichen Reichtums, an den sich kommende Generationen erinnern.
Fazit
Die Frage „Wozu reich?“ ist keine rein finanzielle Frage. Sie betrifft unsere persönliche Lebensplanung ebenso wie den Umgang mit gesellschaftlichem Wohlstand.
Für viele Menschen bleibt ein renditeorientierter Vermögensaufbau wichtig, um Inflation auszugleichen, Vorsorgelücken zu schließen und finanzielle Freiheit zu erreichen. Gleichzeitig lohnt es sich, ab einem bestimmten Vermögensniveau die eigene Zielsetzung zu hinterfragen.
Denn Vermögen kann mehr bewirken, als nur weiter zu wachsen. Es kann Sicherheit geben, Freiräume schaffen und gesellschaftliche Veränderungen unterstützen.
Bei PROGRESSS Finanzplaner geht es deshalb nicht nur darum, wie viel Vermögen Sie aufbauen können. Es geht auch darum, wofür Ihr Vermögen später stehen soll.
Wir unterstützen dich sehr gern. Sprich uns an oder vereinbare ein kostenfreies Kennenlerngespräch!
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Dein Tom und dein Stephan
