Beim langfristigen Vermögensaufbau denken viele Menschen zuerst an die perfekte Geldanlage, den richtigen Einstiegszeitpunkt oder den nächsten großen Investmenttrend. Doch in der Praxis entscheidet häufig nicht die spektakulärste Strategie über den Erfolg, sondern etwas viel Unspektakuläreres: Zeit, Ausdauer und Disziplin.
Denn Vermögen wächst nicht immer sichtbar und schon gar nicht gleichmäßig. Gerade am Anfang fühlt sich Investieren oft langsam und wenig aufregend an. Warum Geduld trotzdem einer der wichtigsten Faktoren beim Vermögensaufbau ist und weshalb die entscheidenden Effekte häufig erst später eintreten, zeigt dieser Beitrag.
Warum Investieren einer Clubnacht gleicht
Denk mal an eine Clubnacht oder eine richtig gute Party zurück. Am Anfang ganz angenehme, nette Musik. Nichts, dass sich in den Vordergrund drängt. Da kannst du dich noch unterhalten oder an der Bar was holen.
Wenn die Nacht voranschreitet und die Tanzfläche sich füllt, steigt die Stimmung und die DJane legt andere Platten auf. Irgendwann kocht es und du willst eigentlich nicht mehr zur Bar.
So wie auf einer guten Party die Kracher nicht zu Beginn kommen, spielt die wirklich Musik beim Investieren auch erst später.
Denk mal an eine Clubnacht oder eine richtig gute Party zurück.
Beim Vermögensaufbau zählt vor allem die Zeit
Wenn es um den langfristigen Vermögensaufbau geht, denken viele an die richtige Auswahl der Anlageklassen, Gebühren, Steuern, Timing und was weiß ich noch alles. Das ist auch alles nicht falsch. Aber eigentlich nicht der entscheidende Faktor. Der entscheidende Faktor ist die Ausdauer. Und mit ihr verbunden die Disziplin. Die Disziplin, auch in schwierigen Zeiten drin zu bleiben und in guten Zeiten, nicht zu glauben, es würde ewig so weiter gehen.
Wenn es um den langfristigen Vermögensaufbau geht, denken viele an die richtige Auswahl der Anlageklassen …
Warum Market-Timing selten funktioniert
Nicht wenige rennen Geheimtipps oder Anlagetrends hinterher in der Hoffnung, eine Abkürzung nehmen können. In aller Regel führt die in die Sackgasse oder in den Abgrund. Auch das Timing, also der Kauf und Verkauf zur „richtigen“ Zeit, ist ein Garant für Verluste. Das ist in zig Studien eindrucksvoll belegt wurden.
Nicht wenige rennen Geheimtipps oder Anlagetrends hinterher …
Time in market statt Market-Timing
Statt markettiming solltest du auf time in market setzen. Also statt den perfekten Ein- oder Ausstiegszeitpunkt zu suchen, deine Zeit, die du investiert bist, maximieren. Neudeutsch wäre das also investmaxxing oder timemaxxing.
Statt markettiming solltest du auf time in market setzen.
So wirkt der Zinseszinseffekt
Stell dir vor, du legst jedes Jahr 10.000€ mit 7% an. Dieses ganze Steuern, Gebühren und andere Zeug vergessen wir mal kurz. Darum geht es nicht. Was glaubst du, wie lang es dauert, bist du auf dem Papier Millionär bist? Nun, es sind ungefähr 30 Jahre. Wenn du also mit Mitte 30 starten würdest, wärst du Rentenbeginn Millionär. Nette Vorstellung, oder?
Stell dir vor, du legst jedes Jahr 10.000€ mit 7% an.
Warum exponentielles Wachstum schwer verständlich ist
Jetzt kommt aber ein Problem: Wir Menschen können exponentielles Wachstum nicht intuitiv erfassen. Denk mal an die Corona-Zeit zurück, als plötzlich nach einem langsamen Anstieg der Infektionen die Zahlen explodierten. Wir Menschen können nur lineares Wachstum erfassen und abschätzen. Zurück zum Investieren. Nach 30 Jahren bist du Millionär. Aber was bist du nach dem ersten Viertel oder der ersten Hälfte? Was schätzt du?
Jetzt kommt aber ein Problem: Wir Menschen können exponentielles Wachstum nicht intuitiv erfassen.
Der Vermögensaufbau braucht lange Anlaufzeit
Die bittere Wahrheit: Nach dem ersten Viertel bist du gerade mal bei 100.000€, also einem Zehntel der Strecke. Nach der Hälfte bei etwa 300.000€ also etwa einem Drittel. Erst danach geht es richtig ab. Denk an die Clubnacht! Zu Beginn des Investitionsprozesses passiert also gefühlt ziemlich wenig. Aber irgendwann kippt das und es geht steil nach oben. Die Zeiträume bis zu den nächsten 100.000€ werden immer kürzer.
Diese Grafik zeigt das wunderbar:
GA`RAFIK +
Die bittere Wahrheit: Nach dem ersten Viertel bist du gerade mal bei 100.000€ …
Warum viele zu früh aufgeben
Leider schaffen viele gar nicht die erste Halbzeit. Entweder sie müssen vorher ans Geld oder es geht vermeintlich zu langsam. Und je ungeduldiger wir werden, desto problematischer wird das Ganze.
Leider schaffen viele gar nicht die erste Halbzeit.
Die wichtigste Voraussetzung für langfristiges Investieren
Es ist also wichtig, erst mit dem Investitionsprozess zu beginnen, wenn du dir halbwegs sicher bist, nicht ständig ans Geld zu müssen. Außerdem ist es wichtig, dir immer wieder klar zu machen, dass die Musik erst ziemlich spät ziemlich geil wird. Am Anfang ist es ein bisschen öde. Aber bei einer Party bist du ja auch nicht nach 5 Minuten gegangen, wenn die Musik nicht sofort Abriss war, oder? ODER?
Es ist also wichtig, erst mit dem Investitionsprozess zu beginnen …
Fazit
Langfristiger Vermögensaufbau ist kein Sprint und schon gar kein Wettbewerb um den vermeintlich perfekten Einstiegszeitpunkt. Entscheidend ist, investiert zu bleiben, auch wenn sich am Anfang scheinbar wenig bewegt.
Ausdauer und Disziplin sorgen dafür, dass der Zinseszinseffekt seine Wirkung entfalten kann. Wer regelmäßig investiert, nicht jeder Schlagzeile hinterherrennt und sein Geld nicht ständig aus dem Markt nimmt, gibt dem eigenen Vermögen die notwendige Zeit.
Die wichtigste Frage lautet deshalb nicht: „Wie kann ich schnell reich werden?“
Sondern:
Bin ich bereit, meinem Vermögensaufbau die Zeit zu geben, die er braucht?
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Dein Tom und dein Stephan
