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Do’s & Don’ts bei der Kapitalanlage

Was du bei der Kapitalanlage tun und lassen solltest. In diesem Beitrag erfährst du, was du bei der Kapitalanlage tun und lassen solltest. Wir zeigen dir die größten Fehler, die du vermeiden solltest und die wichtigstens Must-haves.

Bevor wir starten hier findest du passend zum Themen Kapitalanlage weitere spannende und hilfreiche Artikel:

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Was sind die absoluten Don'ts am Kapitalmarkt?
Was sind die absoluten Don’ts am Kapitalmarkt?

Die 10 Verbote – die Don`ts deiner Kapitalanlage

Schauen wir uns zuerst die 10 Dinge an, die du besser vermeiden solltest.

1. Warte auf den perfekten Einstiegs- oder Ausstiegszeitpunkt

Viele glauben, den richtigen Ein- und Ausstiegszeitpunkt vorhersagen zu können. Dadurch meinen sie, zu „günstigen“ Kursen kaufen zu können und zu teuren Kursen Gewinne einstreichen zu können. Es gibt keine Studie, die das belegt, aber sehr viele Studien, die zeigen, dass das niemand zuverlässig über längere Zeiträume kann.

Für den Ausstieg gibt es nur einen Grund: Du brauchst Geld. Das kann zum Beispiel im Alter sein, wenn du einen Teil deiner Ausgaben über das sog. Entsparen deiner Anlagen finanzieren möchtest/musst. Ob die Kurse „hoch“ oder „niedrig“ sind, ob wir im Aufschwung oder in einer Rezession sind, spielt dagegen keine Rolle.

2. Wähle Einzelaktien oder betreibe Stockpicking

Da niemand zuverlässig die Wertentwicklung von Aktien oder anderen Wertpapieren vorhersagen kann, macht es für den:die durchschnittliche:n Anleger:in keinen Sinn, Einzelaktien auszuwählen oder sog. Stockpicking zu betreiben. Weil du vermutlich dein Geld nicht auf zig tausend Aktien aufteilen kannst, erhöhst du nur dein Risiko im Portfolio. 55% aller Aktien weisen im Laufe ihres Lebens eine negative Rendite auf. Je mehr Einzelaktien ein Depot hat, desto schlechter ist die Performance. Wenn du fast nur auf Einzelaktien setzt, ist deine Rendite 5,4 Prozentpunkte geringer, als wenn du ETFs setzt. Dieses Risiko kannst du nur begrenzen, indem du viele verschieden Eier in deinen Korb legst. Wenn du also nicht gerade Multimillionär:in bist, lass es lieber mit den Einzelaktien.

3. Handle häufig

Viele Anleger:innen überschätzen sich und ihre Fähigkeiten eklatant. Sie glauben zu wissen, welche Aktien oder Fonds besser und welche in Zukunft schlechter abschneiden. Deswegen handeln sie wie wild in ihren Depots. Das Ergebnis: hohe Kosten, Steuern, geringe Renditen. Je häufiger Anleger:innen handeln, desto geringer ist die Rendite. Der Zusammenhang ist fast direkt proportional.

4. Nutze aktives Management mit hohen Kosten

Aktives Management – also ein:e Fondsmanager:in, die die Wertpapiere auswählt – verspricht höhere Renditen als passives – also die Nachbildung eines Index‘ – Management. Was intuitiv irgendwie logisch klingt, schließlich machen die Profis ja den ganzen Tag nichts anderes, als Märkte, Firmen und Wertpapiere zu analysieren, entpuppt sich als meistens falsches Versprechen. Niemand schlägt langfristig den Markt. Selbst die Profis nicht. Die Fondsmanager:innen sind ihr Geld leider nicht wert. Besonders schlimm wird es, wenn sich um Promi-Fonds wie der von Frank Thelen oder Dirk Müller handelt.

5. Folge Trends oder Geheimtipps

Wenn du garantiert dein Geld teilweise oder vollständig verbrennen willst, solltest du Trends und Geheimtipps folgen. Egal ob T-Aktie, „Diese 6 Aktien steigen 2023“ oder kongolesischen Goldminen. Sie alle eint, dass du meistens Verluste machst. Da niemand die Wertentwicklung vorhersagen kann, kann es auch keine Geheimtipps geben. Außerdem ist Handeln mit sogenanntem Insiderwissen verboten. Wenn also der CEO einer Firma weiß, dass die Firma bald pleite ist, darf er mit dem Wissen nicht noch schnell Kasse machen.

6. Schließe aus historischen Wertentwicklungen auf die Zukunft

Viele schauen auf die vergangene Wertentwicklung von Fonds, Aktien oder Kryptowährungen und schreiben sie einfach in die Zukunft fort. Dabei gibt es keinen nachgewiesenen Zusammenhang. Gerade bei großen Publikumsfonds ist der Erfolg der Zukunft oftmals sogar indirekt proportional zum Erfolg in der Vergangenheit. Heißt: Lief der Premium-Super-Duper-Fonds Gold Kapital AG in der Vergangenheit besonders gut, ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass er in Zukunft – also genau dann, wenn du eingestiegen bist – renditemäßig abstürzt. Verlasse dich bei der Auswahl von Wertpapieren also nicht auf vergangene Erfolge.

7. Lasse dich von Emotionen leiten

Geld ist eigentlich eine vollständig abstrakte und emotionslose Sache. Wir Menschen sind aber keine Maschinen, sondern voller Widersprüche, Denkfehler und Unzulänglichkeiten. Die größte Gefahr bei der Geldanlage bist du und deine Emotionen. Wie reagieren Menschen, wenn es Mal aufwärtsgeht? Sie werden übermütig und unterschätzen Risiken. Was passiert, wenn es zum Crash kommt? Sie verkaufen (viel zu spät) panisch ihre Positionen und realisieren damit Verluste. Beim Wiederanstieg sind sie nicht dabei. Sei dich dieser Gefahr und deiner Emotionen bewusst. Versuche, sie so weit wie möglich zu eliminieren. Dabei helfen die neutrale, externe Berater:innen und eine gute Strategie.

8. Sei ungeduldig

Geldanlage ist ein Marathon, kein Sprint. Erfolge können sich kurzfristig einstellen. Dann hattest du halt Glück. Genauso können sich aber auch kurzfristige Verluste einstellen. Für deine langfristige Strategie spielen solche Schwankungen jedoch so gut wie keine Rolle. Deshalb sollte der Anlagehorizont mindestens 15 Jahre betragen, besser noch länger. Wenn du sprinten willst, lege dir Zockergeld zurecht, dessen Verlust dich nicht schmerzt. Wenns klappt: Freu dich. Wenn es nicht klappt: Hattest du zumindest Spaß und Nervenkitzel. Wenn du sprinten musst (kurz- und mittelfristige Ausgaben oder Notgroschen), setzte auf Sicherheit und Liquidität.

9. Schaue täglich ins Depot

Wenn du täglich ins Depot schaust, kochen die Emotionen garantiert hoch. Du siehst, wie es rauf und runtergeht. Zusammen mit deiner Ungeduld und den typischen Denkfehlern fängst du an, wild zu handeln. Das produziert Kosten, Steuern und Verluste. Am Ende hast du weniger Rendite als möglich gewesen wäre. Mehr als einmal im Monat brauchst du nicht reinschauen. Niemand bewertet täglich den Wert seiner Immobilie.

10. Sei bei der Wahl der Kapitalanlage voreingenommen

Kryptos sind die Zukunft! Virtuelle Realität ist das next big thing! Biotechnologie ist der nächste Quantensprung der Menscheit! Aktien sind gefährlich! Gold ist sicher! Es gibt viele Vorurteile. Befreie dich besser davon. Wenn du bereits eine festgefertigte Meinung hast, suchst du die dazu passenden Informationen. Stimmen und Meinungen, die dem widersprechen, ignorierst du vermehrt. Dadurch triffst du falsche Entscheidungen.

Mit diesen Do`s wird deine Kapitalanlage ein Erfolg für dich.
Mit diesen Do`s wird deine Kapitalanlage ein Erfolg für dich.

Die 8 Gebote – die Do`s deiner Kapitalanlage

Nachdem wir uns die größten Fehler angeschaut haben, wird es Zeit, dass wir uns den Geboten zuwenden.

1. Investiere nur, was du kurz- und mittelfristig nicht brauchst

Aktien bedeuten Risiko, das weiß jede:r. Risiko meint in diesem Zusammenhang erstens, dass die Kurse schwanken. Dein Depot kann morgen viel niedriger als heute sein. Und es bedeutet, dass die theoretische Möglichkeit besteht, einen Totalverlust einzufahren. Beide Risiken kannst du reduzieren (siehe unten). Ganz ausmerzen kannst du das Risiko jedoch nicht. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass du nur Geld investieren solltest, auf dass du kurz- und mittelfristig verzichten kannst. Einen Notgroschen solltest du immer kurzfristig zur Verfügung haben.

Den brauchst du z.B. wenn mal die Waschmaschine kaputt geht. Wenn du du weißt, dass du in zwei Jahren 10.000€ für ein neues Auto oder 100.000€ in fünf Jahren als Eigenkapital für dein Eigenheim benötigst, macht es keinen Sinn, dieses Geld an der Börse zu investieren. Das Risiko, dass das Geld zu dem festen Zeitpunkt nicht zur Verfügung steht, ist zu groß. Das bedeutet aber auch, dass du alles andere investieren solltest.

2. Starte jetzt

Da du dich nicht weißt, wann der richtige Zeitpunkt für den Einstieg ist, ist der richtige Zeitpunkt jetzt. Für den Einstieg gibt es nur Faktoren, die von dir und deiner Situation abhängen. Du solltest:

  • Deine existenziellen Risiken abgesichert haben
  • Keine Kredite abzahlen
  • Einen Notgroschen haben
  • Deine kurz- und mittelfristigen Ziele, Wünsche ausfinanziert haben
  • Keine Immobilie abzahlen oder wünschen/planen

Ob die Kurse „hoch“ oder „niedrig“ sind, ob wir im Aufschwung oder in einer Rezession sind, spielt dagegen keine Rolle.

3. Lasse dich unabhängig beraten und begleiten

Da wir aller voller Widersprüche, Denkfehler und Emotionen sind, ist eine unabhängige Beratung ihr Geld wert. Damit meinen wir Berater:innen, die direkt von dir in Form eines Honorars bezahlt werden und nicht die „Beratung“ deiner Bank oder eines:einer Vermittlers:Vermittlerin. Denn die leben vom Verkauf. Bis zu 3% mehr Rendite kannst du mit einer guten Beratung erzielen, als wenn du dich allein versuchst.Wenn du z.B. 30 Jahre lang 150€ im Monat anlegst, kann das fast 150.000€ (6% mit Beratung) statt 87.000€ (3% ohne Beratung) am Ende bedeuten.

4. Investiere größere Summen einmalig

Viele glauben, es sei besser, einen größeren Geldbetrag (z.B. eine Erbschaft oder Abfindung) in kleinere Tranchen aufzuteilen und nach und nach zu investieren. Doch das ist falsch. Die Gründe sind vielfältig und legt Gerd Kommer gut in seinem Blogbeitrag dar. Wenn du größere Geldsummen investieren willst und die o.g. Bedingungen für den Einstieg in die Geldanlage erfüllst, fährst du mit der sofortigen Einmalanlage statistisch besser.

5. Wähle kostengünstige Produkte

Der Einkauf liegt im Gewinn. Was für den Handel allgemein gilt, gilt im Speziellen bei der Geldanlage umso mehr. Zwar klingen 2% Kosten irgendwie wenig, aber da sie immer auf das Gesamtkapital fällig werden, schlagen sie hart ins Kontor. Außerdem sind die Kosten der einzige Faktor, der vorab bekannt und sicher ist. Alle anderen Faktoren wie die Erträge oder das Kurswachstum sind unsicher und offen. Wie gewaltig der Unterschied zwischen teuren, aktiven Fonds und günstigen passiven Fonds ist, haben wir in diesem Beitrag gezeigt. Außerdem weisen, wie oben gezeigt, aktive Fonds keinen Renditevorteil gegenüber passiven Investments auf.

6. Diversifiziere deine Kapitalanlage

Damit die oben genannten Risiken (Schwankung und Totalverlust) dich nicht zu hart treffen, ist die wichtigste Regel, deine Kapitalanlage zu diversifizieren. Umgangssprachlich sagt man: Lege nicht alle Eier in einen Korb. Wenn du richtig über verschiedene Anlageklassen (Aktien, Anleihen, Immobilien, Rohstoffe usw.) und innerhalb der Anlageklassen (also z.B. amerikanische, europäische, asiatische Aktien verschiedener Branchen) diversifizierst, reduzierst du deine Risiken ganz erheblich. Legst du z.B. alles in dieses eine super coole Start-Up für Fusionskraftwerke an und das Unternehmen scheitert, ist dein Geld weg.

Da die wenigsten über so viel Kapital verfügen, dass sie das über Einzelaktien machen können, empfiehlt es sich, die Streuung über passive Fonds darzustellen. Da sind dann z.B. alle Aktien (oder andere Wertpapiere die die gleiche Wertentwicklung haben) des deutschen oder amerikanischen Aktienindex drin. Bei der richtigen Streuung helfen die unabhängige Berater:innen.

7. Handle so wenig wie möglich

Für den Verkauf von Wertpapieren gibt es zwei Anlässe: Rebalancing und Entsparen. Rebalancing meint, die sog. Allokation – also welche Wertpapiere in welchem Verhältnis in deinem Depot sind – an deine Risiko-Rendite-Erwartung wieder anzupassen. Das ist nötig, wenn sich bestimmte Wertpapiere gut entwickeln und so eine höhere Gewichtung im Portfolio haben als ursprünglich festgelegt. Du hast z.B. Mal zu Beginn eine Aufteilung von 60% Aktien (riskanter, aber renditestärker) und 40% Anleihen (sicherer, aber renditeärmer) festgelegt. Jetzt haben sich deine Aktien prächtig entwickelt. Nun beträgt die Allokation 80% zu 20%. Du müsstest also 20% der Aktien verkaufen und 20% Anleihen zukaufen.
Entsparen machst du am Ende des Sparprozesses im Ruhestand (vermutlich). Das heißt, du entnimmst nun jeden Monat z.B. 500€, um deine Rente damit aufzubessern. Dafür verkaufst du jeden Monat Anteile deines Portfolios im Wert von 500€ bis das Geld alle ist oder du verstirbst.
Weitere Anlässe zum Handeln gibt es nicht.

8. Bleibe investiert

Börsen gehen rauf und runter wie Achterbahnen. Geht es runter, ist der Maximum Drawdown (MDD) (Maximaler Wertverlust) die Kennzahl dafür, um wie viel das Wertpapier (Aktie, Fonds what ever) bislang je gesunken ist. Achtung: Das heißt nicht, dass es in Zukunft nicht einen noch größeren Crash geben könnte. Für den Deutschen Aktienindex Dax (genauer einen ETF auf den DAX, der iShares Core DAX UCITS ETF (WKN: 593393)) lag der MDD beispielsweise bei 67%. Es ging also um 67% nach unten, bis es wieder aufwärts ging. Deswegen meinen manche, dass Börsen Zockerbuden seien. Was aber Quatsch ist. Damit du nun aber wieder den Ausgangspunkt erreichst, muss es nach diesem Kursrutsch 200% aufwärtsgehen bzw. auf das Dreifache steigen. Und das tut es auch meist. Mal schneller, mal langsamer.

Das Problem ist, wenn du in dieser Phase aussteigst, um später – wenn es wieder aufwärtsgeht – wieder einzusteigen. So zeigt eine Untersuchung, dass es reicht, wenn du zwischen 1988 und 2018 nur die 33 besten Börsentage des DAX‘ verpasst hast (0,3% der 30 Jahre), bis deine Rendite negativ wurde. Wärst du dagegen einfach stoisch investiert geblieben, hätte deine Rendite 7,16% betragen. Das wären bei 150€ monatlich über 180.000€ (immer investiert) gegenüber 54.000€ (die besten 33 Tage verpasst, 99,7% der Zeit investiert). Oftmals sind diese „Supertage“ direkt nach so einem Rücksetzer.

Wenn du diese „Verbote“ und Gebote beherzigst, dürfte deiner erfolgreichen Geldanlage wenig im Wege stehen.

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