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Gender Gap: Auswirkung der Elternzeit auf die Rente der Mütter

Die Elternzeit hat große Auswirkungen auf die Rente für Mütter. In diesem Beitrag erfährst du, welche genau und wie ihr sie ausgleichen könnt.

Ursachen und Auswirkungen von Gender Gaps

Frauen verdienen im Schnitt weniger als Männer. Frauen übernehmen mehr der sog. Care-Arbeit als Männer. Frauen haben geringere Renteneinkünfte als Männer. Diese Unterschiede nennt man Gender Gaps. Diese Gaps und wie man sie lösen kann, haben wir in diesem Beitrag erklärt.

Für die Gaps gibt es zahlreiche Ursachen. Für diesen Beitrag konzentrieren wir uns auf eine: Kinder. Frauen reduzieren mit dem ersten Kind ihre Arbeitszeit deutlich. Arbeiten sie bis zum ersten Kind etwa so viel wie Männer, reduzieren sie ihre Arbeitszeit mit Kind während, die Männer weiter arbeiten wie bisher.

Zugespitzt könnte man sagen:

Sobald das erste Kind da ist, war es das mit der Gleichberechtigung. Natürlich stecken auch hier wieder zahlreiche Gründe dahinter und auch individuelle Entscheidungen spielen eine Rolle. Doch es gibt für diesen Befund eine zentrale Ursache: Frauen übernehmen den größten Teil der Erziehung, also Care-Arbeit für die gemeinsamen Kinder.

Dadurch arbeiten sie nach dem ersten Kind (wenn überhaupt) (Frauen sind im Schnitt 30 Jahre alt beim ersten Kind) viel häufiger Teilzeit als ihre männlichen Altersgenossen:

Im Osten ist der Befund weniger stark ausgeprägt als im Westen Deutschlands, aber ähnlich. Wie man sieht, erholt sich die Arbeitszeit der Frauen von diesem „Schock“ im Laufe des Erwerbslebens nicht. Sie bleibt etwa viermal so hoch wie bei den Männern.

Mit der höheren Teilzeitquote von Frauen sind geringere Stundenlöhne verbunden:

Mit der Geburt des ersten Kindes ab etwa 30 entwickelt sich das Gehalt nicht mehr parallel.

Bei den Frauen steigt es viel langsamer, kürzer und geringer. Sie erreichen ihr Maximum bei etwa 40 Jahren. Es liegt dann etwa doppelt so hoch wie mit 20. Männer erreichen ihr Maximum mit 60 Jahren. Es liegt dann mehr als zweieinhalb Mal so hoch wie mit 20 Jahren.

Ein Grund dafür dürfte die viel geringe Frauenquote unter Führungskräften sein. Das wiederum resultiert zu einem Teil aus der höheren Teilzeitquote. Wer in Teilzeit arbeitet, hat quasi keine Möglichkeit, Führungsaufgaben zu übernehmen. Der Anteil von Führungskräften oder gar Chefs und Chefinnen ist marginal.

Wer weniger verdient, zahlt auch weniger in die Gesetzliche Rentenversicherung ein und hat entsprechend geringere Rentenansprüche. Wer weniger arbeitet, weniger verdient und seltener in Führungspositionen ist, erhält darüber hinaus seltener und geringere Betriebsrenten.
Außerdem können diese Personen natürlich auch weniger private Altersvorsorge betreiben. Des Weiteren belohnt das sog. Ehegattensplitting ungleiche Verdienste in einer Ehe.

Den größten Vorteil hier haben Paare, in denen eine Person nur einen Minijob ausübt und die andere Person (meist der Mann) „ordentlich“ verdient. Dadurch werden solche Ungleichheiten zementiert.

Lösungen für die Gender gap

Lösungsansätze

Diese Themen müssen wir gesellschaftlich und politisch angehen, wollen wir echte Gleichberechtigung erreichen. Hierzu zählen u.a.:

  • Erfüllung des Rechtsanspruchs auf Kinderbetreuung,
  • flexiblere Arbeitszeiten,
  • bessere (finanzielle) Wertschätzung von Care-Arbeit.

Es gibt zahlreiche Vereine, Initiativen, Parteien, die sich des Themas angenommen haben und konkrete Vorschläge erarbeiten.

Doch politische und gesellschaftliche Veränderungen, also insgesamt bessere Rahmenbedingungen, dauern oftmals eine ganze Weile. Hierfür braucht es eine bessere Organisation, um sich in den parlamentarischen Prozessen mehr Gehör zu verschaffen. Einzig auf diese Veränderungen zu setzen, reicht unserer Meinung nach nicht.

Was es zusätzlich braucht, sind individuelle Lösungsansätze, die jede:r Einzelne angehen kann. Darum soll es hier gehen. Hier kommen wir auch zu unserem Kern: der Finanzplanung.

Zu diesen individuellen Lösungsansätzen gehören:

  • fairere Aufteilung von Erwerbs- und Care-Arbeit,
  • Gestaltung der Altersvorsorge unter Berücksichtigung der Gaps

Wir konzentrieren uns im Folgenden auf die zweite Option.

Gestaltung der Altersvorsorge unter Berücksichtigung der Gaps

Seit 2014 haben wir die sog. Mütterrente. Sie soll die Erziehungsleistung (vorwiegend der Frauen) finanziell würdigen. Der überwiegend erziehende Elternteil erhält für jedes Kind drei Rentenpunkte. Die Person wird also in der Gesetzlichen Rente so gestellt, als hätte sie drei Jahre durchschnittlich verdient. Das ist eine Leistung, die streng genommen keine Versicherungsleistung ist. Sie wird aber zum größten Teil aus Versicherungsbeiträgen bezahlt.

Nur falls mal wieder die Debatte um den hohen Bundeszuschuss zur Gesetzlichen Rente auftritt. Diese drei Entgeltpunkte sind derzeit (Januar 2024) etwa 112€ Rente wert. Mit jeder Rentenerhöhung steigt der Betrag. Diese Erziehungszeiten werden immer der Mutter zugerechnet. Wenn du/ihr das nicht wollt, weil ihr euch anders reinteilt, müsst ihr das beantragen. Das geht immer nur zukünftig. Also am besten unmittelbar nach der Geburt erledigen!

Diese Mütterrente kompensiert also schon mal einen Teil der oben beschriebenen Probleme. Aber eben nicht vollständig.

Um die Auswirkungen von Eltern- und Erziehungszeiten auf die Rente zu berechnen, haben wir ein Excel-Tool entwickelt.

Um das Excel-Tool zu bedienen, brauchst du folgende Unterlagen/Infos:

  • Geburtsjahr
  • Aktuelles Bruttoeinkommen
  • Aktuelle Wochenstunden
  • Aktuelle Entgeltpunkte (Renteninformation auf der zweiten Seite)
  • Geplante Dauer Elternzeit
  • Geplante Dauer Erziehungszeit
  • Wochenstunden mit Kind
  • Dauer der Teilzeit

Schauen wir uns dazu ein (reales) Beispiel an:

Das Tool errechnet nun selbstständig den aktuellen Rentenanspruch, den Anspruch ohne und mit Teilzeit. Das Tool berücksichtigt jedoch keine Gehaltssteigerungen. Das ist zunächst unnötig. Solange sich das Gehalt ähnlich wie das Durchschnittsgehalt erhöht, bleibt der Anspruch ähnlich. Die zukünftige Gehaltsentwicklung ist außerdem mit so vielen Unsicherheiten behaftet, dass wir das außen vor lassen. In unserem Beispiel sieht da Ergebnis wie folgt aus:

In unserem Beispiel hat die Person (Mutter) als durch das Kind und die damit verbundene Teilzeit trotz „Mütterrente“ 65€ weniger Rente. Bleibt sie länger in Teilzeit, steigt die Lücke entsprechend. Hat sie ein geringeres Einkommen als geplant, sinkt die Rente ebenfalls. Du kannst das Tool also ex ante (also vor der Änderung) oder ex post (also nach der Änderung) verwenden.

Es gibt nun zwei Möglichkeiten, wie ihr das im Rahmen der gemeinsamen Finanzplanung lösen könnt:

Entweder ihr zahlt Beiträge, die weniger eingezahlt wurden, nach aus oder ihr schließt eine Privatrente für den Rentenverlust ab bzw. spart ausreichend Kapital an.

Für die erste Option zeigt dir das Tool, wie viel weniger Beiträge die Mutter in die Rentenversicherung (mit Berücksichtigung der Mütterrente) einzahlt. In unserem Beispiel sieht das so aus:

Ihr könntet also später diese Differenz freiwillig nachzahlen. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Oder der andere Partner zahlt diesen Betrag an den erziehenden Partner aus:

Die zweite Möglichkeit ist es, die Differenz durch die private Vorsorge auszugleichen. Das geht zum Beispiel über eine private Rentenversicherung oder eine Basis-Rente. Wichtig hierbei ist, dass ihr hier eine garantierte Rente braucht. Dafür nutzt der Versicherer einen sog. Garantierten Rentenfaktor.

Je höher der liegt, desto mehr Rente erhältst du für das angesparte Kapital.

Derzeit (Januar 2024) sind 20€ Rente monatlich je 10.000€ realistisch. Entweder schließt ihr also eine Rentenversicherung mit einer garantierten Rente in Höhe der Differenz ab oder spart so viel Kapital. In unserem Beispiel währen das etwa 32.000€.

Wenn ihr Fragen oder Wünsche an uns habt meldet euch gern bei uns.

Wir hoffen der Artikel gefällt euch. Wenn ja teilt ihn gern mit euren Freund:innen.

Euer Tom und Stephan

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