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Diese 16 Denkfehler bitte beim Vermögensaufbau vermeiden

Denkfehler beim Vermögensaufbau können dich richtig viel Geld kosten. Deswegen ist es wichtig, dass du sie kennst, um sie zu vermeiden oder abzumildern. Wir stellen die größten Denkfehler in diesem Beitrag vor.

Bevor wir starten hier findest du passend zum Themen weitere spannende und hilfreiche Artikel

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Overconfidence bias Denkfehler #1

Das Problem

Der overconfidence bias oder Selbstüberschätzungsfehler sorgt dafür, dass du dich und deine Fähigkeiten überschätzt.

Das Beispiel

James Montier führte eine Umfrage unter 300 professionellen Fondsmanagern durch. Er fragte sie, ob sie ihre Fähigkeiten, Geld professionell zu investieren, über oder unter dem Durchschnitt von professionellen Anlegern liegt. 74% gaben an, sie glaubten, besser als der Durchschnitt zu sein. Das ist mathematisch nicht möglich. Die anderen 26% gaben, durchschnittlich zu investieren.

Die Folge

Weil du dich für klüger, besser als andere hältst, wirst du anfälliger für Fehler. Du missachtest Alarmzeichen und wählst Informationen falsch aus. Unterm Strich verlierst du Geld.

Die Lösung

Als Erstes solltest du dir eingestehen, dass du wahrscheinlich bestenfalls ein:e durchschnittliche:r Anleger:in bist. In 50% der Fälle bist du ja sogar schlechter. Berücksichtige immer worst-case-Szenarien und frage dich, wie du damit umgehen wirst/solltest. Ein gutes Risikomanagement ist sehr wichtig. Der Austausch mit anderen kann dir ebenfalls helfen. Ein:e unabhängige:r Berater:in ist eine weitere sehr gute Möglichkeit, dich auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen.

Self-serving Bias Denkfehler #2

Du

Das Problem

Der self-serving bias oder die selbstwertdienliche Verzerrung sorgt dafür, dass du Erfolge deiner eigenen Genialität zuschreibst, wohingegen du Misserfolge eher äußeren Faktoren anlastest.

Das Beispiel

Wenn die von dir ausgewählte Aktie steigt, glaubst du eher, dass du einen guten Riecher hattest. Fällt die Aktie, denkst du tendenziell, dass das z.B. an den angehobenen Leitzinsen oder dem gesunkenen Konsumklima.

Die Folge

Weil du dir Fehler langsamer, weniger oder gar nicht eingestehst, kannst du sie auch nicht (gut) korrigieren. Außerdem unterschätzt du gerade in Zeiten von Erfolgen (die meist auf Zufällen beruhen) systematische Fehler in deiner Anlage.

Die Lösung

Akzeptiere wir es ist: meistens ziemlich zufällig. Niemand kann die Kurse von Wertpapieren zuverlässig vohersagen. Deswegen lag es auch nicht an deinem „guten Riecher“, wenns mal aufwärtsgeht. Achte vielmehr auf systemische und strukturelle Probleme deiner Anlagestrategie.

Risikoaversion Denkfehler #3

Das Problem

Die Risikoaversion sorgt dafür, dass wir eher den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach wählen. Wir überbewerten Risiken und wählen lieber „sichere“ Anlagen und vermeiden „riskante“.

Das Beispiel

Stell dir einen Münzwurf vor. Du hast zwei Möglichkeiten: Entweder wir geben dir A) 50€ wenn Zahl kommt oder wir geben dir B) X€, egal ob Kopf oder Zahl kommt. Wie viel müssten wir dir in Fall B geben, damit du die Option wählst? Der Erwartungswert in A beträgt 25€ (50€ x 50%). Das ist die Taube aufm Dach. Wenn du dich bei B für weniger als diese 25€ entscheiden würdest, bist du risikoavers und triffst eine falsche (nicht optimierte) Investitionsentscheidung. Das ist der Spatz in deiner Hand.

Die Folge

Deswegen legen viele ihr Geld „sicher“, aber zinsarm auf der Bank an, statt es „riskant“, aber renditestärker in Aktien zu investieren. Zwar ist die Sparleistung der Deutschen viel höher als in den meisten anderen entwickelten Ländern (Sparquote ca. 11%), doch das durchschnittliche und Medianvermögen ist viel geringer (Platz 17).

Die Lösung

Meistens können wir Risiken und den Erwartungswert nicht so einfach berechnen. Aktienmärkte sind halt kein Münzwurf. Dennoch hilft es, sich mit den Risiken auseinanderzusetzen, um sie korrekt einzuschätzen. Dabei helfe langfristige Studien z.B. zur Wertentwicklung verschiedener Anlageklassen.


Zero-Risk Bias Denkfehler #4

Das Problem

Der zero-risk bias ist die extreme Form der Risikoaversion. Wir eleminieren lieber ein kleines Restrisiko, als ein größeres Risiko zu reduzieren.

Das Beispiel

Menschen schließen Versicherungen mit Garantien ab, da sie das Risiko, dass das Geld plötzlich „weg“ ist, eliminieren. Allerdings ist die Verzinsung so gering, dass sie die Inflation meist nicht schlägt. Unterm Strich ist das Geld also weniger wert, du kannst dir von deinen garantierten Euros morgen weniger kaufen als heute. Besser wäre es, das Geld so anzulegen, dass es sich oberhalb der Inflationsrate verzinst, auch wenn es schwankt. Das Risiko, sich morgen oder übermorgen aufgrund des Kaufkraftverlusts weniger leisten zu können, ist viel größer, als dass das Geld plötzlich „weg“ ist.

Die Folge

Menschen haben aufgrund dieser Garantien in Lebens- und Rentenversicherungen diese millionenfach abgeschlossen oder lassen das Geld auf dem bankkonto versauern. Im Ergebnis verlieren sie im Alter Kaufkraft und das Vermögen sinkt.

Die Lösung

Meide Garantien bei der Anlage. Sie kosten meist nur Geld und lösen kein wirkliches Problem. Sei misstrauisch, wenn die absolute Sicherheit oder Risikolosigkeit versprochen wird.

Verlustaversion Denkfehler #5

Das Problem

Wir bewerten Verluste höher als gleichhohe Gewinne. Dadurch schätzen wir Gewinne und Verluste falsch ein. Um den Schmerz zu vermeiden, vermeiden wir Risiken und gehen lieber auf Nummer sicher.

Das Beispiel

Statt in unsichere, schwankendere, aber auf lange Sicht lohnende Anlagen wie Aktien zu setzen, investieren die meisten Deutschen lieber in sichere Anlagen wie Versicherungen, die auf lange Sicht eine deutlich geringere Rendite aufweisen.
Ein:e Verkäufer:in einer Immobilie gewichtet den „Verlust“ des Hauses, also die Abgabe höher ein, als der:die Käufer:in den „Gewinn“ durch den Kauf. Dadurch haben Verkäufer:innen oftmals Preisvorstellungen, die sie in der Realität nicht durchsetzen können und sind enttäuscht. Besonders deutlich wird das, wenn es sich um die selbst genutzte Immobilie handelt, an der zahlreiche positive Erinnerungen hängen.

Die Folge

Da die Menschen im Schnitt notwendige Risiken scheuen und auf Nummer sichergehen, erzielen sie deutlich geringere Renditen als möglich wäre. Dadurch haben Menschen (oder ganze Gesellschaften) mit einer ausgeprägten Risikoaversion geringere Vermögen als Menschen (oder Gesellschaften), die rationaler investieren und Risiken in Kauf nehmen.

Die Lösung

Frage dich immer: Was ist das Schlimmste, was passieren kann und wie gehe ich damit um? Meistens sind die negativen Folgen gar nicht so dramatisch. Vergleiche den möglichen Gewinn und den möglichen Verlust auf rein nominaler Basis. So kannst du am ehesten deine irrationalen Verlustängste dämpfen.

Exponentielles Wachstum unterschätzen Denkfehler #6

Das Problem

Menschen können intuitiv lineare Veränderungen erfassen. Wir wissen ohne groß nachzudenken, wie viel Geld man nach zum Beispiel drei Jahren hat, wenn man jeden Monat 1.000€ zur Seite legt. Wir begreifen auch, dass man nach sechs Jahren doppelt so viel Geld gespart hat. Geometrisches oder exponentielles Wachstum kapieren wir nicht intuitiv. Wir unterschätzen es alle systematisch.

Das Beispiel

Stell dir vor, du kannst zwischen zwei Preisen wählen. Der erste Preis sind zwei Jahre lang 10.000€ im Monat. Der zweite Preis sind 1€, die sich zwei Jahre lang jeden Monat verdoppeln. Welchen Preis wählst du? Preis 1 sind 240.000€. Das erfassen wir sehr intuitiv. Aber wie hoch ist Preis 2? Es sind weit über 8 Millionen Euro.

Die Folge

Wir unterschätzen die Wirkung von Kosten, die die Rendite schmälern. Was sind schon 1 oder 2% Kosten? Naja, auf 30 oder 40 Jahre gesehen machen sie einen riesigen Unterschied aus. Während der Pandemie haben wir das Konzept der Verdopplungszeiten nicht verstanden. Deswegen haben wir statt bei geringen Infektionszahlen harte Maßnahmen (wie Neuseeland) zu ergreifen, gewartet, bis es eigentlich zu spät war und dann noch härtere Maßnahmen ergriffen.

Die Lösung

Da wir exponentielles Wachstum nicht begreifen, müssen wir rechnen. Nur das Ausrechnen der tatsächlichen Beträge kann uns helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Selektive Wahrnehmung Denkfehler #7

Das Problem

Wir sehen, was wir sehen wollen. Unter selektiver Wahrnehmung verstehen wir das Phänomen, dass wir die Information bewusster wahrnehmen, die unseren Überzeugungen entsprechen. Alles was dem widerspricht, erkennen wir nicht und fliegt unterm Radar.

Das Beispiel

Du glaubst, Bitcoin und Kryptos sind the next big thing. Du investierst einen großen Teil deines Geldes darin. Ab diesem Zeitpunkt nimmst du Informationen, die deine Sichtweise und deine Anlagestrategie bestätigen, deutlicher wahr als konträre Stimmen und Meinungen. Statt Bitcoin und Kryptos kannst du alle anderen Assets wie Immobilien, Gold, Briefmarken, Wein, Oldtimer, einzelne Aktien einsetzen.
Das gleiche gilt übrigens auch für alle anderen Bereiche des Lebens. Glaubst du, dass Hartz-IV-Empfänger:innen (ab 2023 Bürgergeld) einfach nur faule Leute sind, wirst du überall in Medien und in Gesprächen diese Sichtweise bestätigt bekommen. Bist du eher Optimist:in, wirst du überall Beispiele finden, die bestätigen, dass es sich lohnt, optimistisch zu sein.

Die Folge

Dir fehlen relevante Informationen. Du überschätzt die Chancen und unterschätzt die Risiken. Am Ende triffst du schlechtere Anlageentscheidungen.

Die Lösung

Konfrontiere dich bewusst immer wieder mit Gegenstimmen und komplett konträren Meinungen. Gib diesen eine Chance, ohne sie vorab abzuwerten, indem du meinst, das seien alles Idioten, Pessismist:innen, Neider oder anderweitig Unwissende. Betrachte Gegenstimmen als Chance, deinen blinden Fleck auszuleuchten.

Confirmation bias Denkfehler #8

Das Problem

Ist ähnlich wie die selektive Wahrnehmung, nur noch eine Stufe schärfer. Statt dass nur deine Wahrnehmung (passiv) selektiv ist, meint der confirmation bias, dass du bewusst also aktiv nur die Informationen suchst, die deine Meinung bestätigen.

Das Beispiel

Du hast in Tesla investierst. Ab diesem Zeitpunkt suchst du Berichte, Börsenmeinungen und Tweets, die bestätigen, dass du eine clevere Entscheidung getroffen hast. Auch hier kannst du wieder jedes andere Asset einsetzen. Auch der confirmation gilt für jeden anderen Lebensbereich. Wenn du beispielsweise an Homöopathie glaubst, suchst du Berichte, die bestätigen, dass Homöopathie über den Placebo-Effekt hinaus wirkt. Spoiler: Du wirst diese Berichte finden. Deine Meinung verfestigt sich.

Die Folge

Dir fehlen nicht nur relevante Informationen, sondern du negierst sie regelrecht. Damit wird es für dich noch schwerer, falsche Anlageentscheidungen zu korrigieren.

Die Lösung

Wie bei der selektiven Wahrnehmung musst du bewusst nach Gegenstimmen suchen. Ziehe in Betracht, dass du falschliegen könntest. Du kannst nur gewinnen, wenn du dich und deine Entscheidungen in Zweifel ziehst und hinterfragst. Entweder hast du auch nach sorgfältiger Recherche den berechtigten Eindruck, dass du richtig liegst oder aber du hast deinen Fehler erkannt und kannst ihn korrigieren.

Information Bias Denkfehler #9

Das Problem

Du glaubst, je mehr Informationen du hast, desto bessere (Anlage-)Entscheidungen triffst du. Deswegen suchst du immer weiter. Irgendwo könnte ja noch eine Info sein, die du übersehen hast. Es ist gewissermaßen die Übertreibung der Lösung von selektiver Wahrnehmung und confirmation bias. Vor lauter Suchen trifsst du aber überhaupt keine Entscheidung.

Das Beispiel

Du überlegst, eine Immobilie zur Kapitalanlage zu kaufen. Du hast das Für und Wider sorgfältig abgewogen und dich über die investitionsrelevanten Faktoren ausreichend informiert. Es geht jetzt nur noch um das Objekt. Du suchst und suchst. Bei jeder Recherche findest du ein vermeintlich noch lukrativeres Objekt. Tag um Tag vergeht, ohne dass du die Suche beendest. Währenddessen verschimmelt dein Kapital auf dem Girokonto.

Die Folge

Du triffst nie oder zu spät Entscheidungen. Außerdem hast du permanent Angst, etwas übersehen zu haben und die falsche Entscheidung getroffen zu haben. Deswegen revidierst du öfter getroffene Entscheidungen. Dabei entstehen unnötige Kosten. Darüber hinaus schläfst du schlecht.

Die Lösung

Überlege, welche Informationen wirklich relevant sind und wie viel Zeit du dir für die Recherche nehmen willst. Akzeptiere, dass du niemals alle Informationen haben kannst und dass vieles auch schlicht vom Zufall abhängt. Wenn du dein Soll erfüllt hast, entscheide. Fällt es dir schwer, suche dir eine vertrauenswürdige, neutrale Instanz, die dir den nötigen Schubs gibt.

Superstar Bias Denkfehler #10

Das Problem

Wir lieben Superstars, egal ob beim Singen, Fußballspielen oder Geld anlegen. Stars oder vermeintlichen Stars trauen wir alles zu. Ihre „Aura“ überstrahlt ihr wirkliches Können deutlich. Damit überschätzen wir systematisch ihre Fähigkeiten. Besonders problematisch ist das in Bereichen, in denen der Zufall bzw. Glück einen großen Teil des Erfolgs ausmacht.

Das Beispiel

Dirk Müller war mal ein bekannter TV-Börsen-„Experte“. Als „Mr. Dax“ erklärte er dem geneigten Publikum, warum jene Aktie stieg und diese fiel. Er machte seine Popularität zu Geld, indem er den „Dirk Müller Premium Fonds“ auflegte. Dabei legte der „Premium Fonds“ eine Wertentwicklung in den letzten fünf Jahren von -9,8% (Stand Dezember 2022) hin. Während der Indexfonds von iShares auf den MSCI-World im selben Zeitraum 52% Plus machte. Das Gleiche läuft mit Frank Thelens „10xDNA-Portfolio“. Der hat seit Auflage Mitte 2021 gleich mal 54% verloren (Stand Dezember 2022).

Die Folge

Wir investieren unser Geld in Geheimtipps von vermeintlichen Börsengurus oder legen das Geld gleich in die Fonds der vermeintlichen Superstars an. Im Ergebnis kosten die Anlagen einen Haufen Geld, weisen meistens deutlich höhere Risiken und am Ende fährst du eine deutlich geringere Rendite als bei No-Name-Anlagen ein.

Die Lösung

Hände weg von allen Fonds, die den Namen ihres Initiators oder ihrer Initiatorin tragen oder die von vermeintlichen Börsenexpert:innen aufgelegt wurden. Halte dich darüber hinaus von allen Börsentipps fern. Und immer daran denken: Der Erfolg bzw. die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine Rückschlüsse auf die zukünftige Performance zu. Selbst jemand wie Warren Buffet, der nachweislich sehr häufig und sehr lang den Markt geschlagen hat, kann irgendwann daneben liegen. Vertraue lieber auf passive Investmentansätze.

 

Survival bias Denkfehler #11

Das Problem

Wir sehen nur die „Überlebenden“ einer Anlageklasse. Wir übersehen die Fonds, die Immobilien, die Kryptobros, die allesamt gescheitert sind. Außerdem verschweigen manche bewusst oder unbewusst ihre Misserfolge und kehren nur ihre Erfolge, zum Beispiel Prognose, die zugetroffen sind, nach außen.

Das Beispiel

Immobilien sind scheinbar eine sichere Sache. Jede:r kennt jemanden, der im eigenen Häuschen, dass er oder sie sich gebaut und finanziert hat. Statistiken zeigen, dass Häuselbauer:innen ein höheres Vermögen haben als Menschen, die kein Haus haben. Die Begründung, die häufig geliefert wird, lautet, dass die Menschen mit einem Haus und einer Finanzierung gezwungen sind, Geld zu sparen. Sie müssen ja ihren Kredit abzahlen und können nicht bedenkenlos konsumieren. Deswegen nennt man die Finanzierung fürs Haus auch Zwangssparvertrag. Am Ende hat man ein abbezahltes Haus und einen Vermögensgegenstand.
Was jedoch alle übersehen, sind diejenigen, die ebenfalls mal angefangen haben, ein Haus abzuzahlen, es aber nicht geschafft haben. Das kann entweder daran liegen, dass sie krank oder arbeitslos geworden sind, sich getrennt haben oder aus anderen Gründen umziehen mussten. Diejenigen sind alle gescheitert und danach vermutlich Mieter. Sie tauchen in der Vermögensstatistik Hausbesitzer:innen vs. Keine Hausbesitzer:innen eigentlich in der falschen Klasse auf. Wir sind also dem survival bias erlegen.

Die Folge

Wir unterschätzen systematisch Risiken und überschätzen systematisch Chancen bei der Geldanlage.

Die Lösung

Diesen Denkfehler aufzulösen, ist ziemlich schwierig. Grundsätzlich müssen wir wissen, wie viele einer Anlageklasse zu einem Stichtag gestartet sind und wie viele bis zum Tag X durchgehalten haben und wie viele gescheitert sind. Erst auf dieser Basis können wir zuverlässig Risiken richtig einschätzen.

Mentale Buchführung Denkfehler #12

Das Problem

Wir betrachten nicht unser Gesamtvermögen und versuchen es zu optimieren, sondern legen für verschiedene Aspekte unserer Finanzentscheidungen (z.B. Urlaub, Altersvorsorge, Sparen für die Kinder) mentale Konten an. Diese versuchen wir zu optimieren. Das Gleiche gilt auch für Einnahmen. So bewerten wir Geldgeschenke anders als z.B. unser Einkommen. Die wenigsten würden sich von den 50€ zu Weihnachten von Oma Lebensmittel kaufen oder gar einen Kredit abzahlen, sondern sich mal was „gönnen“. Das ist irrational. Geld ist Geld.

Das Beispiel

Es gibt Menschen/Haushalte, die zahlen gleichzeitig den Kredit für ihr Haus ab und legen Geld für die Kinder zurück. Viele haben ein Alltagskonto und ein Sparkonto für verschiedene Sparziele. Manch eine:r nutzt das Weihnachtsgeld für Weihnachtsgeschenke statt für die Tilgung von Krediten.

Die Folge

Wir optimieren nicht unser Gesamtvermögen. So legen wir zu vielleicht 1% Zinsen Geld für die Kinder an und bedienen gleichzeitig einen Kredit zu 3%. Wir verlieren also jedes 2%. Das ist irrational und kostet uns Geld.

Die Lösung

Du kannst zwar verschiedene reale Konten bilden, um den Überblick zu behalten, aber unterm Strich solltest du immer dein Gesamtvermögen betrachten und dieses optimieren. Dabei gilt: Zuerst Kredite abzahlen, dann Geld zur Seite legen.

Herdentrieb Denkfehler #13

Das Problem

Wir fallen ungern auf, sondern folgen der Herde. Dadurch investieren wir unser Geld dorthin, wohin gerade alle gehen bzw. worüber alle sprechen.

Das Beispiel

Anfang der 2000er war der erste Aufstieg der Internetfirmen. Winzige Firmen ohne Geschäftsmodell waren plötzlich in aller Munde. Jede:r glaubte, in kurzer Zeit das schnelle Geld zu machen. Je mehr investierten und davon berichteten, wie ihre Aktien sich in kurzer Zeit vervielfachten, desto mehr zog es an, ebenfalls zu investieren. Dass die Kurse auf keiner realen Grundlage basierten, spielte keine Rolle. Diese Geschichte wiederholt sich immer wieder. Das erste Mal vermutlich während der sog. Tulpenmanie. Das aktuellste Beispiel dürften Bitcoin und co. sein.

Die Folge

Wenn sich Leute irgendwo anstellen, muss es ja gut sein. Denken wir. Ob das stimmt, spielt erst mal keine Rolle. Ist das bei einem Club nicht weiter dramatisch, führt das bei der Geldanlage nicht selten zum Totalverlust. Wir unterschätzen vor allem systematisch Risiken.

Die Lösung

Halte dich grundsätzlich von Hypes fern. Frage dich stets: Was ist wirklich dran am Trend? Prüfe immer, wer von einem weiteren Invest wirklich profitiert. Akzeptiere, dass von einem Trend nur die profitieren, die ganz am Anfang dabei waren und du wahrscheinlich nicht dazu gehörst.

Home bias Denkfehler #14

Das Problem

Wir investieren lieber in heimische, vermeintlich uns bekannte Aktien/Firmen als in ausländische uns unbekannte Aktien.

Das Beispiel

Stell dir vor, du bekommst 5.000€. Das Geld darfst du entweder nur in ein deutsches Unternehmen investieren, dass du nicht kennst oder in ein kanadisches, das du nicht kennst. Welches wählst du und warum?
Die meisten würden das Deutsche bevorzugen, obwohl nichts dafür spricht. Schließlich weißt du über beide Firmen nichts. Mit einem Münzwurf, also einer Zufallsentscheidung, würdest du min. genauso gut fahren.

Die Folge

Wir diversifizieren nicht richtig. Das heißt, wir streuen unsere Risiken nicht richtig und ausreichend. Legst du beispielsweise dein Kapital hauptsächlich in deutsche Aktien an und es kommt zu einer Krise in Deutschland, trifft das dein Depot stärker, als wenn du weltweit gestreut hättest.

Die Lösung

Diversifiziere dein Portfolio gemäß der Marktkapitalisierung oder anderer neutraler Faktoren und nicht anhand von Ländergrenzen bzw. dem, was du vermeintlich kennst. Akzeptiere, dass du von deutschen Firmen genauso wenig oder viel verstehst wie von australischen oder französischen. Alle Firmen, von denen du Aktien erwerben kannst, müssen eh alle Zahlen und Strategien offenlegen.

Action bias Denkfehler #15

Das Problem

Nichts zu tun, fällt uns schwerer, als ständig aktiv zu sein und zu handeln. Dieser Denkfehler korrespondiert besonders mit dem overconfidence und dem self-serving bias.

Das Beispiel

Tothüter:innen tendieren beim Elfemterscheißen viel häufiger nach rechts oder links zu springen, als einfach stehen zu bleiben. Dabei zeigen Statistiken, dass die Schütz:innen eher in die Mitte zielen. Die Torhüter:innen wären also im Schnitt erfolgreicher.
Sogenannte Daytrader glauben, mit ständigem Handeln minimale Kursentwicklungen ausnutzen zu können und so mehr Rendite erzielen zu können.

Die Folge

Analysen zeigen, dass Depots von Personen, die viel handeln (also kaufen und verkaufen) eine geringere Rendite aufweist als von Personen, die wenig handeln. Der Grund sind die Kosten beim Handeln.

Die Lösung

Lass es einfach sein. Beschäftige dich einmal richtig mit deinem Depot und stelle es erstmalig ein. Ansonsten gibt es nur zwei Gründe, um Positionen zu verkaufen: Du brauchst Geld für deine Ausgaben (Entsparen) oder du musst dein Depot gemäß deinem Risiko neu justieren (sog. Rebalancing).

Kontrollillusion Denkfehler #16

Das Problem

Wir glauben, Dinge kontrollieren zu können, die wir in Wahrheit überhaupt nicht beeinflussen können.

Das Beispiel

Menschen an Spielautomaten glauben, durch das „richtige“ Drücken der Schalter den Ausgang des vollkommen zufälligen Ergebnisses beeinflussen zu können.
Wir vertrauen Prognosen von Personen, die in der Vergangenheit (zufälligerweise) mal einen Aktienkurs korrekt „vorhergesagt“ haben. Deswegen legen viele Menschen ihr Geld anhand von Geheimtipps an wie z.B. „Diese 6 Aktien steigen 2023!“.
Menschen wählen aktiv Einzelaktien aus, weil sie glauben, dann die Kontrolle über ihren Gewin zu haben. Anders als in einem Fonds, bei dem ich den Erfolg in die Hände anderer lege. Sie glauben, in Zukunft erfolgreiche Firmen identifizieren zu können und das besser als alle anderen(overconfidence bias). Klappt es, lag es an ihrer Genialität (self-serving bias). Sie sind der Meinung, dass sie die aktive Auswahl besser im Griff haben, als wenn sie z.B. einfach den Zufall entscheiden lassen.

Die Folge

Privatanleger:innen investieren in Einzelaktien und begehen bei der Auswahl systematisch Fehler. Da die wenigsten über so viel Kapital verfügen, bei Einzelaktien ausreichend zu diversifizieren, gehen sie wesentlich größere Risiken ein als diejenigen, die über Fonds (passiv oder aktiv) investieren.

Die Lösung

Erkenne, wann du etwas wirklich kontrollieren kannst und wann nicht. Die Kursentwicklung von Aktien gehören wie Würfel oder Lottozahlen nicht dazu. Dort solltest du einfach zufällig entscheiden (lassen). Bei der Geldanlage solltest du auf Einzelaktien verzichten und stattdessen mit Fonds breit streuen.

Fazit

Denkfehler können dich eine Menge Geld kosten. Jetzt da du die aus unserer Sicht wichtigsten Denkfehler kennst, bist du besser gewappnet. Die meisten Denkfehler entspringen unserer Psyche, die sich in einer Zeit gebildet hat, als wir noch mit Fellen nach Mammuts gejagt haben. Bei der Geldanlage sollte es weniger um Emotionen, sondern mehr um Ratio und Rechnen gehen. Wenn du dann noch Glück hast, steht einer erfolgreichen Kapitalanlage nichts mehr im Wege.

 

Wenn du diese neun Fehler vermeidest, kann nichts mehr schief gehen. Wenn du dir an der ein oder anderen Stelle unsicher bist und Hilfe brauchst, sind wir gern für dich da. Vereinbare dazu einfach ein kostenfreies Kennenlern-Gespräch mit uns.

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